BAYERISCHE NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE

zu den korrespondierenden Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (SDGs)

Ernährung und Gesundheit (SDGs 2, 3, 5, 12)

Ernährung (SDGs 2, 12)

Auch Ernährung beeinflusst Lebensqualität, Wohlergehen und Gesundheit jedes Einzelnen maßgeblich. Gleichzeitig sind Erzeugung, Verarbeitung und Umgang mit Lebensmitteln mit komplexen ökologischen, ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Bedingungen und Auswirkungen verbunden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen gilt es, ein bewusstes und zukunftsorientiertes Verhalten in allen Teilbereichen des Ernährungssystems zu entwickeln.

Ziele

  • Ausbau nachhaltiger und umweltverträglicher Produktion gesunder Lebensmittel
  • Gestaltung eines nachhaltigen und gesundheitsförderlichen Verpflegungsangebotes in Kitas, Schulen, Betrieben und Senioreneinrichtungen
  • Etablierung gesundheitsbewusster Ernährungs- und Bewegungskultur in breiten Bevölkerungsschichten
  • Reduktion der Lebensmittelverluste und der Lebensmittelverschwendung und Steigerung der Wertschätzung von Lebensmitteln

Maßnahmen

  • Unterstützung öffentlicher Einrichtungen
    • in der Wahrnehmung einer Vorbildfunktion bei gesundheitsbewusstem Essen
    • bei der Auswahl regionaler und ökologischer Produkte im Rahmen ihrer Beschaffung
    • bei der Gestaltung eines nachhaltigen Verpflegungskonzepts
  • Herausgabe von Leitlinien für eine gesunde und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung
  • Förderung einer nachhaltigen Ernährung an Kitas und Schulen durch die Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung
  • Ausstellungskonzept „Nachhaltige Ernährung: Essen für die Zukunft“
  • Ernährungsbildungsangebote für die Zielgruppe „Junge Eltern /Familien“ mit Kindern bis zum 6. Lebensjahr, z.B. „App-Trilogie“ „Schwanger & Essen“, „Baby & Essen“, „Kind & Essen“; Anpassung auf die Zielgruppe Menschen mit Fluchterfahrung bei Anfragen von Helferkreisen, Jugendämtern, Job-Centern etc.
  • Entwicklung von Ernährungsbildungsangeboten für die Zielgruppe Senioren
  • Ergänzende Angebote aus Ernährungsbildung und Ernährungsinformation durch Partner im  „Netzwerk Ernährung in Bayern“
  • Fachinformationen der Landesanstalt für Landwirtschaft
  • Informationsfluss und Wissenstransfer durch das Kompetenzzentrum für Ernährung
  • Umsetzung der im Bündnis „Wir retten Lebensmittel“ beschlossenen und priorisierten Maßnahmen

Gesundheit und Pflege (SDGs 3, 5)

Gesundheit bestimmt die Lebensqualität maßgeblich. Sie gilt gemeinhin als das höchste Lebensgut. Die Menschen wünschen sich Gesundheit – möglichst bis ins hohe Alter. Erfreulicherweise ist die Lebenserwartung in Bayern weiter gestiegen. Nachhaltige Gesundheitspolitik muss die Bürgerinnen und Bürgern dabei unterstützen, ihre Gesundheit zu erhalten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, bei Erkrankungen rasch wieder gesund zu werden. Hierzu gehört die Förderung eines gesundheitsbewussten Lebensstils ebenso wie der Zugang zu ambulanten und stationären medizinischen Leistungen auf dem jeweils aktuellen Stand der medizinischen, pflegerischen und technischen Entwicklung.

Um das hohe Niveau der gesundheitlichen Versorgung flächendeckend  für künftige Generationen aufrecht und ein nachhaltig finanzierbares Gesundheitssystem zu erhalten, gilt es auch in Bayern, die Versorgungsstrukturen unter Mitwirkung aller Beteiligten weiterzuentwickeln.

Die Vorzeichen des demografischen Wandels sind erkennbar: Bereits heute besteht Handlungsbedarf mit Blick auf die Altersstruktur von Ärztinnen und Ärzten, prognostizierte Fallzahlsteigerungen und die Verteilung der Praxen. In Bayern werden im Jahr 2030 auf Grund der alternden Bevölkerung über 50 % mehr pflegebedürftige Menschen als noch heute zu versorgen sein, darunter ca. 340.000 Menschen mit Demenz.

Welche Bedeutung die Staatsregierung der Pflege einräumt, zeigt die Gründung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. In der Pflege muss die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen, individuell maßgeschneiderten Pflegeleistungen bei gleichzeitiger Finanzierbarkeit gewährleistet sein.
Digitalisierung bietet im Gesundheitswesen und in der Pflege enorme Chancen. Sie kann die Qualität verbessern, neue Therapiekonzepte ermöglichen, zielgerichtet für Therapien und Prävention eingesetzt werden und dabei zu Kosteneinsparungen führen. Im Umgang mit sensiblen digitalen Gesundheitsdaten ist eine ausgewogene Balance zwischen Erkenntnisgewinn und individuellem Datenschutz unerlässlich.

Ziele

  • Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Menschen für die eigene Gesundheit
  • Erhalt der flächendeckenden, bedarfsgerechten und hochqualitativen ambulanten Versorgung mit Haus- und Fachärzten
  • Erhalt der qualitativ hochwertigen, flächendeckenden Krankenhausversorgung
  • Ausbau einer flächendeckenden Krisenversorgung für Menschen mit akuten psychischen Störungen
  • Erhalt der Spitzenposition in der Gesundheitsforschung
  • Aufwertung des Pflegeberufs, Steigerung des Fachkräftenachwuchses
  • Ausbau und Flexibilisierung der Leistungen bei Pflegebedürftigkeit
  • Verbesserung der Lebenssituation pflegebedürftiger Menschen – insbesondere Demenzkranker
  • Sicherung der Qualität in der Pflege und Schutz der Pflegebedürftigen

Maßnahmen

  • Maßnahmen und Projekte im Rahmen des Bayerischen Präventionsplans, z.B. Bündnis für Prävention, Gesundheitsinitiative Gesund.Leben.Bayern.
  • Förderung der Impfbereitschaft auf Basis der Bayerischen Impfstrategie
  • Weiterentwicklung der Strukturen ärztlicher Berufsausübung und Stärkung der Allgemeinmedizin in Aus- und Weiterbildung
  • Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum mit drei Säulen: Niederlassungsförderung, Stipendienprogramm und Förderung innovativer medizinischer Versorgungskonzepte
  • Beratung und Unterstützung der Kommunen bei Eigeninitiativen zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung vor Ort durch das Kommunalbüro für ärztliche Versorgung
  • Weiterhin Förderung der Vernetzung von Versorgungs- und Präventionsstrukturen in den Gesundheitsregionenplus
  • Abstimmung der Versorgungsangebote und Förderung von Kooperationen durch die Krankenhausplanung
  • Bedarfsgerechte Krankenhausförderung und Stärkung sektorenübergreifender Kooperations- und Organisationsformen
  • Fachprogramme für Akutgeriatrie und Palliativversorgung
  • Gründung des Instituts für Kurortmedizin und Gesundheitsförderung
  • Förderprogramm zur Steigerung der medizinischen Qualität in den bayerischen hochprädikatisierten Kurorten und Heilbädern
  • Beteiligung Bayerns an allen sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, für Infektionsforschung, für Lungenforschung, für Diabetesforschung sowie für neurodegenerative Erkrankungen, Konsortium für Transnationale Krebsforschung)
  • Nutzung der steigenden Möglichkeiten der Digitalisierung für interne Prozess- und Informationsverbesserungen im ambulanten und stationären Sektor und intersektoral zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung sowie in Krankenhäusern
  • Erschließung von vorhandenen und zu generierenden persönlichen Gesundheitsdaten für eine verbesserte Behandlung (Prognose, Diagnose, Therapie) des Patienten unter Beachtung der Datenschutzerfordernisse
  • Maßnahmen zur Sicherstellung der Einhaltung der Hygienestandards und zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen unter Berücksichtigung des Stands der Wissenschaft
  • Ausbau und Koordination telemedizinischer Angebote und Netzwerke („TEMPIS“, „STENO“, „NEVAS“ und „TRANSIT“ zur optimierten Schlaganfallversorgung, des Epilepsienetzwerkes „TelEp“ oder des Weidener Herzinfarktnetzes „WHIN“) und der telemedizinischen Zentren
  • „Netzwerk Pflege Digital Bayern“ mit VDE und MDK Bayern; Ziel: Interdisziplinäre Zusammenarbeit, um neue innovative Projekte zur Digitalisierung und Technik in der eigenen Häuslichkeit anzustoßen
  • Gerechte und nachhaltige Finanzierung der Altenpflegeausbildung
  • Einsatz für die Refinanzierbarkeit von Tariflöhnen in Pflegesätzen auf bundesrechtlicher Ebene
  • Aktive Mitwirkung an den Pflegereformen auf Bundesebene v. a. Pflegestärkungsgesetze: Erhebliche Ausweitung der Pflegeversicherungsleistungen, Einführung eines neuen, besonders für Demenzkranke günstigeren, Pflegebedürftigkeitsbegriffs (insgesamt ca. 5 Mrd. € p. a. Mehrleistungen der Pflegeversicherung) und Pflegeberufereformgesetz: Steigerung der Qualität und Attraktivität des Pflegeberufs
  • Schaffung einer „Vereinigung der Pflegenden in Bayern“, um den Pflegenden eine starke Stimme zu geben
  • Bayerische Demenzstrategie
  • Finanzielle Förderung von Angeboten zur Unterstützung Pflegender und Pflegebedürftiger im Alltag (Fortbildungen, Betreuungsgruppen und ehrenamtliche Helferkreise; 100 Fachstellen für pflegende Angehörige: Beratung über Hilfsangebote und psychosoziale Unterstützung für häuslich Pflegende)
  • Bayernweite Standortanalyse von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige
  • Förderung von Pflegeeinrichtungen und ambulant betreuter Wohngemeinschaften
  • Sicherstellung eines bayernweit  gleich gerichteten Vollzugs des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes mit dem Bayerischer Prüfleitfaden für die zuständigen Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA, früher Heimaufsicht) sowie durch die Ausführungsverordnung zum Pflege- und Wohnqualitätsgesetz sowie Intensivierung der Zusammenarbeit
  • Nachtdienstschlüssel von grundsätzlich mindestens einer Pflegekraft für 40 Pflegebedürftige

Korrespondierende UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

Die Vereinten Nationen haben mit der Agenda 2030 einen Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) entwickelt. Die zur Bayerischen Nachhaltigkeitsstrategie korrespondierenden SDGs im Bereich Klimawandel sind:

Kein Hunger; Interner Link Gesundheit und Wohlergehen; Interner Link Geschlechtergleichstellung; Interner Link Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster; Interner Link

Weitere Informationen zu den UN-Zielen finden Sie hier.

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