Bayerische
Staatsregierung

Die Bayerische Nachhaltigkeitsstrategie

zum Thema Sozialer Zusammenhalt

Zur Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft bedarf es einer kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft, in der die Bedürfnisse und Potentiale aller Menschen und aller Generationen bestmöglich befriedigt bzw. geweckt werden.
Hierfür ist ein starker gesellschaftlicher und sozialer Zusammenhalt erforderlich, der gerade auch in Zeiten einer sich demografisch ändernden Gesellschaft tragfähig ist und sich an Generationengerechtigkeit als Maßstab orientiert.

Der gesellschaftliche und soziale Zusammenhalt in Bayern wird in hohem Maße von den Familien, dem bürgerschaftlichen Engagement und dem Zusammenhalt der Generationen geprägt. Entscheidende Maßnahmen und Schritte hierfür müssen insbesondere in den Bereichen Arbeit und Beschäftigung, Bildung, Familie, Gleichstellung und Integration ergriffen werden. Bei der Alterssicherung gilt es, ein weiterhin angemessenes Rentenniveau zu erhalten, das der Lebensleistung jeder Generation gerecht wird. Im Bereich der Pflege und der Beitragsgestaltung in der Pflegeversicherung müssen ebenfalls die Bedürfnisse und Interessen aller Generationen berücksichtigt werden, nachdem sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2050 nahezu verdoppeln wird.

Zukunftsfähige Arbeit und Beschäftigung

Erwerbsarbeit ist für alle Bevölkerungsgruppen wichtig und notwendig, da sie Sinn stiften kann, für die allermeisten Menschen den Lebensunterhalt sichern muss und wichtigste Voraussetzung gegen Armut und für gesellschaftliche Integration und Anerkennung ist. Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt, Globalisierung und demografischer Wandel bedeuten für den Arbeitsmarkt Chance und Herausforderung zugleich.

Ziele

Bevölkerungsrückgang und -alterung führen in ganz Deutschland zu einem Fachkräftebedarf in vielen Bereichen. Im Hinblick darauf gilt es, das vorhandene Beschäftigungspotential noch stärker als bislang auszuschöpfen, die Erwerbsbeteiligung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und von Menschen mit Behinderungen weiter zu erhöhen und attraktive, produktivitätsfördernde und arbeitnehmergerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen. Hierzu zählen auch ein präventiver und adäquater Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Das Vollzeit-Normalarbeitsverhältnis muss die Regel bleiben. Gleichzeitig werden Wirtschaft und Arbeitswelt künftig von den Beschäftigten ein noch höheres Maß an Flexibilität verlangen. Einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit müssen Maßnahmen der Gesundheitsförderung, altersgerechte Arbeitsbedingungen und Qualifikationsmöglichkeiten gegenüberstehen.

Die Staatsregierung bekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft und sieht Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und die anderen Sozialpartner als Eckpfeiler der Wirtschafts- und Sozialordnung. Eine Aufgabe der Wirtschaft besteht darin, den Fachkräftenachwuchs durch das Angebot geeigneter Ausbildungsplätze und betrieblicher Fort- und Weiterbildung sicherzustellen. Ziel der Staatsregierung ist es, unter Berücksichtigung der Wirtschaftsentwicklung und der sozialen und familiären Interessen der Erwerbspersonen darauf hinzuwirken, dass bis 2020

  • die Erwerbstätigenquote der 15 bis 64-Jährigen weiterhin in Deutschland einen Spitzenwert erreicht,
  • die Erwerbstätigenquote Älterer (55 bis 64 Jahre) und von Frauen (15 bis 64 Jahre) überdurchschnittlich ansteigen kann,
  • die Erwerbstätigenquote von Migrantinnen und Migranten (15 bis 64 Jahre) weiter ansteigt und sich an die der Gesamtbevölkerung annähert
  • bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung Bayern im Ländervergleich eine Spitzenposition einnimmt,
  • sich die Teilnahme der Erwerbspersonen an beruflicher Weiterbildung auf 30 % erhöht.

Maßnahmen

  • Aktive Arbeitsmarktpolitik und zielgenauer Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente von Bund und Land in enger Abstimmung zwischen der Bundesagentur für Arbeit, Staatsregierung, Sozialpartnern und Kommunen
  • Zielgerichtete Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen im Arbeitsmarktbereich, insbesondere aus Mitteln des Arbeitsmarktfonds (AMF) und des Europäischen Sozialfonds (ESF)
  • Stärkung der beruflichen Weiterbildung und Verankerung des Grundsatzes des Lebenslangen Lernens
  • Verbesserung der Arbeitsmarktsituation Älterer sowie Unterstützung der Unternehmen bei der Bewältigung des demografischen Wandels durch die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“
  • Schaffung von attraktiven Arbeitsbedingungen in Bayern für in- und ausländische Fachkräfte und Hochqualifizierte, um der Abwanderung ins Ausland zu begegnen und Rückkehrpotenziale optimal zu nutzen, Schaffungeiner „Willkommenskultur“
  • Initiativen “Study and Stay in Bavaria“, um mehr ausländische Absolventen zur Arbeitsaufnahme in Bayern zu bewegen sowie „Return to Bavaria“ um bayerische bzw. deutsche Leistungsträger im Ausland für eine Rückkehr nach Bayern zu begeistern
  • Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen zur Integration von Migrantinnen und Migranten in den ersten Arbeitsmarkt aus Mitteln des ESF (rund 19 Mio. Euro im Förderzeitraum 2007 bis 2013)
  • Einsatz für ein effizientes bundesweites Anerkennungsverfahren für ausländische Bildungsabschlüsse
  • Laufende Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben durch Mittel der Ausgleichsabgabe (2011: rund 55 Mio. Euro), durch zusätzliche Sonderprogramme zur Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze und zur beruflichen Orientierung, Integration und Betreuung von Menschen mit Behinderung (bis 2015 rund 16,5 Mio. Euro) sowie durch ESF-Mittel für die berufliche Qualifizierung (2007 bis 2013 rund 4,7 Mio. Euro).

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Perspektiven für Familien

Die Zahl der geborenen Kinder ist die entscheidende Einflussgröße für den demografischen Wandel, den Generationenvertrag und die Sicherung des Weiterbestehens der Gesellschaft. Mit der Erziehung ihrer Kinder schaffen Eltern Grundlagen für ein gelingendes Leben des Einzelnen und für eine stabile, zukunftsorientierte Gesellschaft.

Die Herausforderung besteht darin, auf eine kinder-, familien- und generationenfreundliche Gesellschaft hinzuwirken, in der Kinderwünsche verwirklicht werden, ein Leben mit Kindern unterstützt und die Entwicklung der Kinder bestmöglich gefördert wird.

Dies stellt ein gesamtgesellschaftliches Thema dar und kann nur im Zusammenwirken von Staat, Kommunen, Unternehmen und Gesellschaft erreicht werden.Für die Familienpolitik gilt es, ihre Möglichkeiten zu nutzen, um Familien zu entlasten, die Entscheidung für Kinder zu erleichtern und die Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung günstig zu gestalten.

Ziele

  • Bayern als familienfreundlichstes Bundesland etablieren,
  • Breite Verankerung von Familienfreundlichkeit als handlungsleitendes Kriterium in der Gesellschaft,
  • Gestaltungsfreiheit für bayerische Familien durch finanzielle Leistungen und den Ausbau der Kinderbetreuung,
  • Unterstützung der Landkreise und kreisfreien Städte bei der Etablierung eines bedarfsgerechten und koordinierten Gesamtkonzepts der Eltern- und Familienbildung, mit dem lebenslagenbezogen und wohnortnah alle Eltern erreicht werden,
  • Unterstützung der Kommunen beim bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Betreuungsplätze für Kinder,
  • Bedarfsgerechter Ausbau der Angebote für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und Eltern.

Maßnahmen

  • Einführung eines Betreuungsgeldes auf Bundesebene,
  • Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms (2008 bis 2013 1 Mrd. Euro für Kommunen, Programmverlängerung bis 2014),
  • Einstieg in das beitragsfreie letzte Kindergartenjahr,
  • Bayernweiter Ausbau von Familienstützpunkten zur Stärkung der Elternkompetenz durch das Förderprogramm zur Weiterentwicklung der kommunalen Eltern- und Familienbildung,
  • Projekt „ELTERNTALK“ zur Unterstützung von Eltern in Fragen des Jugendschutzes,
  • flächendeckende Unterstützung von Eltern in Erziehungsberatungsstellen,
  • flächendeckendes Unterstützungsnetzwerk „Koordinierende Kinderschutzstellen“ (KoKi – Netzwerk frühe Kindheit),
  • Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen auf 1000 Stellen innerhalb der nächsten sieben Jahre und Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

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Gleichstellung von Frauen und Männern

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Tatsächlich bestehen aber nach wie vor oft erhebliche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Ziel der Gleichstellungspolitik ist es, Chancengerechtigkeit herzustellen und Rollenmuster aufzubrechen, damit Frauen und Männer frei über ihre Lebensgestaltung entscheiden können. Chancengerechtigkeit ist verfassungsrechtliche
Vorgabe und gleichzeitig ein wichtiger Faktor für soziale Stabilität. Den Anspruch darauf haben Staat, Unternehmen und Gesellschaft einzulösen. Im öffentlichen Dienst wurden mit dem Bayerischen Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern Rahmenbedingungen mit Vorbildcharakter geschaffen. Die Staatsregierung hat daneben durch Ministerratsbeschlüsse die geschlechtersensible Sichtweise als durchgängiges Leitprinzip für die gesamte Bayerische Staatsverwaltung verankert.

Ziele

  • Erhöhung des Frauenanteils in MINT*-Berufen sowie des Männeranteils in sozialen Berufen und bei den Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen.
  • Schaffen einer familienfreundlichen und chancengerechten Unternehmenskultur
  • Annäherung des Anteils von Frauen in Führungspositionen an ihren Anteil an den Beschäftigten der jeweiligen Berufe.
  • Schließung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern

Maßnahmen

  • Programm „Prima Mädchen – Klasse Jungs“ zur Sensibilisierung von Lehrkräften
  • Gipfel Soziale Berufe
  • Kampagne Herzwerker
  • Projekt „effizient familienbewusst führen“ für eine familienfreundliche Unternehmenshaltung
  • Chancengerechtigkeitspreis „SIEgER“
  • Förderung besserer Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, der Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen und zukunftsfähigen Bereichen, sowie beruflicher Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Frauen mit 19 Mio. Euro (2007 bis 2013).
  • Seminare für Frauen nach Familienphasen („Neuer Start“)
  • Projekte für Berufsrückkehrerinnen in arbeitsmarktlichen Schwerpunktregionen (AMF)

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Integration

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, die rechtmäßig und dauerhaft im Land leben, ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft von herausragender Bedeutung.

Zentrale Ansatzpunkte für eine gelungene Integration bilden die Bereiche Sprache, Bildung und Arbeit, da diese Grundvoraussetzung jeglicher sozialer Integration sind. Derzeit hat rund ein Fünftel der Bevölkerung Bayerns einen Migrationshintergrund. Die Tendenz ist steigend. Trotz guter Integration eines großen Teils der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gibt es z. B. im Hinblick auf die geringere Bildungs- und Erwerbsbeteiligung auch in unterschiedlichem Umfang weiteren Integrationsbedarf. Mit der „Aktion Integration“ hat die Staatsregierung 2008 ein Integrationskonzept, Integrationsleitlinien und ein Zehn-Punkte-Programm beschlossen. Dies wurde mit der Regierungserklärung 2010 und der Einführung des milieuspezifischen Ansatzes 2012, der eine zielgerichtetere Ausrichtung der Integrationsangebote am Bedarf vor Ort ermöglicht, weiterentwickelt.

Ziele

Ziel der Staatsregierung ist es, darauf hinzuwirken, dass sich

  • bis 2020 der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in den einzelnen weiterführenden Schularten an ihren Anteil an der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schülern annähert und der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund die keinen Schulabschluss erreichen, deutlich reduziert wird.
  • bis 2020 die Erwerbsbeteiligung von Migrantinnen und Migranten in Bayern an die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund annähert sowie
  • die Identifikation von Migrantinnen und Migranten mit Bayern über ein „inneres Ja“ verstärkt und damit gleichzeitig Parallelgesellschaften und Radikalisierungstendenzen in einzelnen Migrantengruppen entgegengewirkt wird.

Maßnahme

Bayerisches Integrationskonzept: Aktionspaket mit Vielzahl an zielgruppen- und ortsspezifischen Maßnahmen in Ergänzung der Maßnahmen der Kommunen vor Ort, z. B.:

  • Verstärkung der frühkindlichen Sprachförderung
  • Umsetzung des Gesamtkonzepts zur schulischen Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vom 17.3.2009
  • Speziell auf Migrantinnen und Migranten ausgerichtete berufliche Qualifizierungsmaßnahmen.

Die bayerische Integrationsförderung setzt auf Migrationsberatung durch ein flächendeckendes Netz an Beratungsstellen, die Vernetzung aller Akteure vor Ort und die Förderung einzelner Integrationsprojekte unter Berücksichtigung des milieuspezifischen Ansatzes. Sie setzt problemorientiert und niederschwellig an und kann so gezielt integrationsferne Milieus erreichen.

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Kultur

Kunst und Kultur sind identitätsstiftend und fördern maßgeblich den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt.

Es gilt daher, ein attraktives kulturelles Angebot in allen Landesteilen zu schaffen und zu bewahren. Hierzu zählen kulturelle Spitzenangebote wie Museen, Theater, Orchester und Baudenkmäler ebenso wie die Breitenkultur mit Volksund Laienkunst oder Brauchtums- und Heimatpflege. Der Zugang zu Kultur und die Teilhabe an kulturellen Angeboten muss allen sozialen Schichten und Altersgruppen offenstehen.

Ziele und Maßnahmen

  • Dauerhafte und verlässliche öffentliche Kulturfinanzierung
  • Erhalt und Ausbau der bayerischen Museumslandschaft
  • Stärkung und Weiterentwicklung von Heimatpflege, Volks- und Laienkultur
  • Ausbau der bayerischen Sing- und Musikschullandschaft
  • stärkere Öffnung des Zugangs zu Kultur für alle sozialen Schichten und Altersgruppen sowie für Menschen mit Migrationshintergrund
  • Pflege, Förderung und zeitgemäße Fortentwicklung der Kultur der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler

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*) Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik

Weiterführende Informationen

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