Bayerische
Staatsregierung

Die Bayerische Nachhaltigkeitsstrategie

zum Thema Bildung

Bildung und Kultur

Bildung ist der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung, da der Erwerb von Wissen und die Ausrichtung hin auf Verhaltensänderungen hierfür entscheidende Grundlagen sind. Bildung ist aber auch für eine solidarische Leistungsgesellschaft von elementarer Bedeutung, weil die Gesellschaft insgesamt nur dann auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn möglichst jeder Mensch im Land gut gebildet und ausgebildet ist. Es gilt daher, die Bildungsbeteiligung in Bayern weiter zu steigern, die Durchlässigkeit weiter zu verbessern und die Teilhabechancen aller Schülerinnen und Schüler weiter zu erhöhen.

Struktur des Bildungswesens

Frühkindliche Bildung

Die Herausforderungen im Bereich frühkindlicher Bildung und Erziehung ergeben sich einerseits aus der Sicherstellung von hoher Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit, andererseits aus den Forderungen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der zusätzlichen Unterstützung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie z. B. Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache.

Bayern gehört mit dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz und dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung (BEP) bundesweit zu den Vorreitern der Qualitäts- und Bildungsoffensive im Bereich Kindertageseinrichtungen.

Ziele bis 2020

  • Unterstützung der Kommunen beim bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Betreuungsplätze für Kinder bis zur Einschulung
  • gemeinsam mit den Kommunen dafür zu sorgen, dass Schulkindern nach Bedarf ein differenziertes Bildungs- und Betreuungsangebot in Ganztagsschulen, Horten und integrierten Modellen zur Verfügung steht.
  • Steigerung der Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund im Vorschulalter
  • Sprachliche Förderung von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache bereits im Vorschulalter, so dass sie in Regelklassen eingeschult werden können.
  • Weitere Verbesserung des durchschnittlichen Anstellungsschlüssels in Kindertageseinrichtungen
  • Noch engere Verzahnung von Elementar- und Primarbereich (durch weitere gemeinsame Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und Lehrkräfte sowie gemeinsame Leitlinien für die pädagogische Arbeit in Tageseinrichtung und Grundschule)
  • dem Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen entgegenwirken.

Maßnahmen

  • Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms (bis Ende 2013 knapp 1 Mrd. Euro verfügbar) und durch ungekürzte Weiterleitung von Bundesmitteln an die Kommunen (bis 2014 auf 116,7 Mio. Euro ansteigend)
  • Projekt „Sprachberatung in Kindertageseinrichtungen“
  • Förderung der Inklusion in Kindertageseinrichtungen
  • Weiterführende Qualifikation pädagogischer Fachkräfte
  • Umsetzung der gemeinsamen Leitlinien für die pädagogische Arbeit im Elementar- und Primarbereich
  • breites Ausbildungsangebot zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Kindertageseinrichtungen

zum Seitenanfang

Schulische Bildung

Schulische Bildung steht vor der Aufgabe, allen jungen Menschen eine individuelle Bildungschance zu eröffnen und die Ausschöpfung der vorhandenen Bildungspotentiale zu gewährleisten. Die Schulen folgen dabei einem ganzheitlichen Bildungsanspruch, der eine umfassende Teilhabe und Mitverantwortung in einer solidarischen Leistungsgesellschaft ermöglichen soll.

Das gute Abschneiden der bayerischen Schülerinnen und Schüler bei Schulleistungsstudien und die Ergebnisse der Ländervergleiche 2009 und 2011 sowie der Studie „Deutscher Lernatlas 2011“ der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass es in Bayern besser als anderswo gelingt, über alle Schularten hinweg einen nachhaltigen Bildungserfolg zu erreichen. Dieser Erfolg ist nicht nur Bestätigung, sondern zugleich Auftrag für die Zukunft.

Ziele

  • Bayern als Land mit den besten Bildungschancen etablieren
  • Erhalt eines möglichst wohnortnahen bzw. flächendeckenden Bildungsangebots,insbesondere in strukturschwachen ländlichen Gebieten
  • Weitere Reduzierung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss

Maßnahmen

  • Systemkonstanz und Flexibilität durch
    • Differenziertes und durchlässiges Schulwesen
    • Vielfalt und Flexibilität der schulischen Angebote
    • Maßnahmen zur Ermöglichung sozialer, beruflicher und gesellschaftlicher Teilhabe von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen
    • Gesamtkonzept zum Ausbau eines flächendeckenden und bedarfsorientierten Angebots an Ganztagsschulen in allen Schularten (bereitgestellte Mittel 2011/12 für Ganztagsschulen und Mittagsbetreuung: 166,1 Mio. Euro)
    • Förderung privater Schulen nach dem Bayerischen Schulfinanzierungsgesetz
  • Qualitätssicherung im Schulsystem durch
    • Maßnahmen zur Evaluation und Monitoring mit dem Ziel der Weiterentwicklung der Schulen vor Ort
    • Fortentwicklung von Instrumenten, wie z. B. Orientierungsarbeiten/Vergleichsarbeiten und Jahrgangsstufentests sowie regelmäßige Bildungsberichterstattung
    • Weiterentwicklung der Lehrpläne auf Basis bundesweiter Bildungsstandards und Fortführung zentraler Abschlussprüfungen;
    • Weiterentwicklung einer modernen Lehrerbildung über alle drei Phasen hinweg.
    • Förderung positiver Lernbedingungen durch gut ausgebildete Lehrkräfte
    • Kontinuierliche Weiterentwicklung der Unterrichtsdidaktik und -methodik
  • Wohnortnähe und Standortsicherung durch
    • Einrichtung jahrgangskombinierter Klassen an Grundschulen
    • Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule
    • die Möglichkeit der Bildung von Mittelschulverbünden
    • Bündelung und Weiterentwicklung von Ideen und Erfahrungen aus der Region
    • Verbesserte Abstimmung und Vernetzung bestehender Bildungsangebote

zum Seitenanfang

Berufliche Bildung

Berufliche Bildung ist für den überwiegenden Teil der Jugendlichen der Einstieg in das Berufsleben. Von der Qualifikation der verfügbaren Fachkräfte hängen zu einem Großteil Standortsicherung, struktureller Wandel und gesellschaftliche Innovation ab.

Für die allgemeinbildenden Schulen in Bayern gilt es daher, die erforderlichen Voraussetzungen für berufliche Bildungswege zu schaffen. Aufgabe der Wirtschaft ist es, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten bereitzustellen, die jungen Menschen einen Einstieg in das Erwerbsleben erlauben. Gleichzeitig zwingt die rasante Entwicklung in Wissenschaft und Technik dazu, mit diesem Tempo Schritt zu halten. Die Herausforderungen dieser Veränderungen werden nur durch kontinuierliches „Lebenslanges Lernen“ zu bewältigen sein, damit auch mittel- und langfristig die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der Unternehmen gesichert werden kann.

Ziele

  • Erhalt der Spitzenposition Bayerns beim Ausbildungsstellenmarkt unter den großen Flächenländern
  • Verstärkte Berufsorientierung in der Schule
  • Verbesserung der beruflichen Weiterbildung als wesentlicher Faktor künftiger Wettbewerbsfähigkeit

Maßnahmen

  • Hinwirken auf Anpassung von Rahmenbedingungen an Veränderungen des Wirtschaftslebens und der Technik
  • Hinwirken auf Entwicklung und Einführung geeigneter Evaluationsverfahren
  • Förderung der Ausbildungsbereitschaft von Betrieben, insbesondere mit betrieblichen Fördermaßnahmen im Programm „Fit for Work
  • Förderung Berufliche Bildung im Mittelstand(Mitteleinsatz 2010 im Bereich Handwerk und IHK: rund 38 Mio. Euro)
  • Förderung von Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen und des Engagements von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (verfügbare Mittel 2007–2013: 42,3 Mio. Euro)

zum Seitenanfang

Hochschulen

Hochschulen und Forschungseinrichtungen fungieren als entscheidende Innovationsmotoren. Die erwarteten steigenden Studienberechtigten- und Studierendenzahlen in Bayern bieten die Chance, diese Entwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels für eine verstärkte Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in Studium und Lehre zu nutzen.

Ziele

  • Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen
  • Flächendeckender Ausbau der Ausbildungskapazitäten
  • Verbesserung der Qualität der Lehre
  • Ausbau der Internationalisierung
  • Steigerung der Absolventenquote in den MINT*-Fächern
  • Erhöhung des Anteils unterrepräsentierter Studierendengruppen (beruflich Qualifizierte, Hochschulzugangsberechtigte mit familiären Pflichten, Migrationshintergrund oder sozial benachteiligter Herkunft)
  • Ausbau der akademischen Weiterbildung und des lebenslangen (Hochschul)- Lernens zu einer tragenden Säule hochschulischer Tätigkeit (neben Forschung und grundständiger Lehre)
  • Ausbau der Förderung von Spitzennachwuchstalenten
  • Ausgestaltung der Hochschule der Zukunft als familienfreundlichen Lebensraum; Vereinbarkeit von Familie und Hochschullaufbahn

Maßnahmen

  • Einsatz für angemessene Grundausstattung und Rahmenbedingungen
  • Ausbau der Ausbildungskapazitäten und der Betreuungsrelationen
  • Modernisierung der Hochschulen sowohl hinsichtlich der Inhalte der Studiengänge als auch der Organisationsabläufe innerhalb der Hochschulen.
  • Schaffung individueller und neuer zielgruppenspezifischer Studienangebote
  • Aufbau und Verbreitung von strategischer und operativer Exzellenz in der hochschulischen Weiterbildung und des lebenslangen (Hochschul)-Lernens
  • Ausbau der sozialen Infrastruktur in der Kinderbetreuung, in Wohnheimen und Mensen

zum Seitenanfang

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Zu den wesentlichen Bildungsaufgaben zählt auch, den Einzelnen in die Lage zu versetzen, sich aktiv an der Gestaltung eines ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Lebensstils unter Berücksichtigung globaler Aspekte zu beteiligen:

Ziele

  • Vermittlung von Wissen, Werthaltungen und Schlüsselkompetenzen mit Ausrichtung auf einen nachhaltigen Lebensstil
  • Verankerung der Nachhaltigkeitsbildung im Lehrplan bzw. Leitbild der jeweiligen Bildungseinrichtung sowie in der Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte

Maßnahmen

  • Berücksichtigung der BNE in Kindertageseinrichtungen
  • Vermittlung von Aspekten der Nachhaltigkeit an bayerischen Schulen in Umsetzung des umfassenden Bildungsauftrags des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG)
  • Förderung der Sport- und Bewegungserziehung
  • Fortbildungsmaßnahmen für Erziehungs- und Lehrkräfte zu Inhalten und Methoden der BNE
  • Außerschulische Umweltbildung, z. B. durch
    • Förderung von Umweltbildungseinrichtungen und Umweltinformationszentren (Investitionen bis 2013: rund 30 Mio. Euro; Förderung von Bildungsprojekten mit ca. 2,6 Mio. Euro/Jahr)
    • Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“
    • Modellprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus (StMUK) und dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen
    • Umweltbildungsmaßnahmen in der Jugendsozialarbeit sowie in der Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR)
    • Etablierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung an den bayerischen Volkshochschulen
    • Veranstaltungen der Umweltbildung durch staatliche und nichtstaatliche Akteure einschl „BayernTour Natur“
    • Bündelung und Fortschreibung der landesweiten BNE-Aktivitäten im Arbeitskreis BNE sowie im Aktionsplan BNE
    • Waldpädagogikveranstaltungen der Bayerischen Forstverwaltung mit Ausrichtung auf Bildung zur nachhaltigen Entwicklung.

zum Seitenanfang

Verbraucherbildung

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Informationsmenge und Komplexität der Märkte bedarf es zielgerichteter Hilfe und Unterstützung, um den Verbraucher in die Lage zu versetzen, seine Verantwortung im Marktgeschehen bei der Förderung eines nachhaltigen Konsums bestmöglich erfüllen zu können.

Verbraucherbildung mit der Zielsetzung eines nachhaltigen Konsums ist Teil der Bildung zur nachhaltigen Entwicklung.

Ziele

Verbessertes wirtschaftliches und nachhaltigkeitsorientiertes Verständnis der Verbraucher durch Stärkung der Markt-, Finanz-, Ressourcen- und Datenkompetenz

Maßnahmen

  • Angebot von Verbraucherbildungsprojekten durch freie Bildungsträger, Verbraucherzentrale Bayern und VerbraucherService Bayern
  • Richtlinien für ökonomische Verbraucherbildung im schulischen Bereich
  • Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zur ökonomischen Verbraucherbildung
  • Bündelung, Erarbeitung und Erprobung von Materialien und Unterrichtshilfen
  • Aufbau eines Netzwerks von Verbrauchertrainern unter dem Motto „Ökonomische Verbraucherbildung – ein Leben lang“

zum Seitenanfang

*) Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik

Weiterführende Informationen

Download
Interner Link